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1 September 2010, Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Wir wurden nicht beschädigt“

Ottmar Edenhofer im Gespräch über die Überprüfung des IPCC durch das InterAcademy Council (Abschrift)

Herr Edenhofer, das Inter Academy Council (IAC) hat in seinem Untersuchungsbericht zum Klimarat der UN gefordert, dass die Amtszeit des Vorsitzenden enger begrenzt werden soll. Ist es nach acht Jahren nun also Zeit für den Vorsitzenden Pachauri zurückzutreten?

Pachauri hat das Mandat, auch den fünften Sachstandsbericht bis 2014 zu Ende zu bringen. Auch sollte bei den Vorschlägen des IAC die richtige Reihenfolge eingehalten werden - das heißt, dass wir zuerst die Managementstrukturen verändern müssen, um vor allem in Krisensituationen bessere Entscheidungen fällen zu können. Danach können wir über Personalien reden.

Der Bericht fordert „fundamentale Reformen“ des Klimarats, um die Glaubwürdigkeit zu stärken und wissenschaftlichen Standards zu genügen. Wie schwer treffen diese Forderungen den Klimarat in seiner bisherigen Form?

Die Forderungen treffen oder beschädigen den Klimarat nicht. Im Gegenteil: Der IAC-Bericht sagt, dass der Klimarat eine wichtige Innovation in der Wissenschaftsgeschichte darstellt - an vielen Stellen gibt es Lob für die Arbeit. Der Bericht sagt jedoch, dass die Managementstrukturen für die großen Herausforderungen, vor denen der Klimarat steht, nicht angemessen sind. Die Strukturen sollen verbessert werden, um den gestiegenen Erwartungen der Politiker und der öffentlichen Aufmerksamkeit zu genügen. Dem stimme ich zu.

Es wird die Einrichtung eines Exekutivkomitees gefordert, in dem nicht nur KIimawissenschaftler sitzen - um neue Perspektiven einzubeziehen. Auch sollten Kontroversen in den Berichten besser dargestellt werden. Muss frische Luft hinein in den Kreis der Klimaforscher?

Für frische Luft sorgen wir auch so schon. In der dritten Arbeitsgruppe für den fünften Sachstandsbericht...

...die sich mit den Gegenstrategien zum Klimawandel auseinandersetzt und von Ihnen geleitet wird...

...sind 70 Prozent aller Autoren neu dabei.

Und die Kontroversen?

Da geht es vor allem um die Kontroversen über die Schäden des Klimawandels und die Strategien zur Vermeidung des Klimawandels. Da gibt es nicht eine Lösung, die der Klimarat vorschlagen kann. Es handelt sich um Forschung, die nicht nur Fakten, sondern auch Werte berücksichtigen muss. In welchem Ausmaß wollen und können Gesellschaften zum Beispiel die Atomenergie oder die erneuerbaren Energien nutzen? Der Weltklimarat kann Politikern diese Entscheidung nicht abnehmen, aber wir können darstellen, was die verschiedenen Strategien des Klimaschutzes kosten und mit welchen Risiken sie verbunden sind.

Auch wird ein einheitlicher Umgang mit der Darstellung von wissenschaftlichen Unsicherheiten gefordert.

Das ist berechtigt, denn es gibt in den Berichten der Arbeitsgruppen unterschiedliche Standards. Wir arbeiten aber bereits an einer möglichst einheitlichen Darstellung. Dabei müssen wir auch viel offener zeigen, wo Wissenslücken liegen, wo wir Forschungsbedarf sehen. Wir sollten uns weniger Gedanken machen, welche Wirkung wir erzielen, sondern die Wissenschaft korrekt darstellen.

Angefangen bei gestohlenen E-Mails bis hin zu Fehlern im vierten Sachstandsbericht des Klimarats hat es in den vergangenen Monaten massive Kontroversen über Zuverlässigkeit und Qualität der Klimaforschung gegeben. Der IAC-Bericht war die vorerst letzte große Untersuchung der Vorwürfe. Was bleibt?

Die meisten Vorwürfe waren zwar nicht berechtigt, dennoch hat uns diese Krise unsere Schwächen im Management gezeigt. Wir waren weder auf die Diskussion in der Öffentlichkeit vorbereitet noch auf die gestiegenen Anforderungen der politischen Entscheidungsträger. Wir haben nicht alles richtig gemacht - wir haben aber auch keine fundamentalen Fehler begangen.

Die Fragen stellte Matthias Wyssuwa.

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